Black Diamond, einer der weltweit führenden Bergsportausrüster, hat im Frühjahr seinen Europasitz aus der Schweiz nach Innsbruck verlegt. Mitumgezogen sind der neue Firmenchef Tim Bantle aus Utah sowie der deutsche Marketing-und Salesleiter Stephan Hagenbusch. Die beiden haben meinTirol vom „Abenteuer Umzug“erzählt.

Mit zwölf Koffern nach Tirol

TEXT · Eva Schwienbacher
FOTOS · Oliver Soulas

Es war im Herbst 2015, als Tim Bantle den Schritt ins Unbekannte wagte. Der US-Amerikaner unterschrieb den Vertrag als Managing Director der europäischen Niederlassung von Black Diamond – ohne zu wissen, wo in Europa der neue Firmenhauptsitz entstehen würde, wo er, seine Frau und seine zwei kleinen Söhne künftig morgens aufwachen würden. Doch es lockte der Reiz des Neuen. „Meine Frau Sarah und ich haben uns immer wieder gefragt, wie es wohl wäre, in ein fernes Land zu ziehen“, sagt der 39-Jährige, „jetzt haben wir uns diesen Traum verwirklicht.“

Outdoorfirma im Bergsportparadies
Über 20 Jahre lang hatte Black Diamond seinen europäischen Hauptsitz in Basel. Im Zuge größerer Umstrukturierungen fiel im September 2015 die Entscheidung, den Outdoor-Ausrüster aus der Schweiz an einen Ort im Euro-Raum zu verlegen.

Nicht nur die Währung war ein Kriterium, der Ort sollte auch in den Bergen liegen. Tim Bantle, seit 2011 bei Black Diamond und zuletzt verantwortlich für den Bereich Produkt, Marketing und Sales, wünschte sich Bedingungen, die denen am Hauptsitz in Salt Lake City ähnelten. Die Mitarbeiter in Europa sollten die Möglichkeit haben, „am Berg ihrer Leidenschaft nachzugehen“. Der neue Standort sollte zudem über gut ausgebildete Arbeitskräfte sowie eine moderne Infrastruktur verfügen. Eine wichtige Rolle spielte auch die Nähe zu den deutsch- und italienischsprachigen Märkten. Mehrere Städte quer durch Europa wurden inspiziert. Am Ende erfüllte jedoch bloß eine alle Voraussetzungen: Innsbruck.

Premiere im Zillertal
Tim Bantle kennt Tirol nicht erst seit der Verlegung der Europazentrale. Mit Mitte zwanzig hatte der leidenschaftliche Bergsportler als Erzieher und Kletterinstruktor ein Kindercamp aus Jackson im US-Bundesstaat Wyoming ins Zillertal begleitet. Neben den unzähligen Klettermöglichkeiten imponierte ihm damals vor allem die Landeshauptstadt. „Genau das, womit Tirol in Utah lockt, trifft auf Innsbruck zu. Hier verschmelzen Tradition und Moderne miteinander. Auf der einen Seite sieht man Historisches, wie die mittelalterliche Altstadt, und auf der anderen Seite Neues, wie die Sprungschanze von Zaha Hadid. Das ist einfach faszinierend.“

Auch Bantles Frau Sarah war in jungen Jahren schon einmal in Innsbruck. Als Studentin besuchte sie die Stadt während eines Auslandsaufenthaltes in Finnland. Das zweite Mal kam sie im vergangenen Winter, als fest stand, dass Innsbruck künftig ihr neues Zuhause werden würde.

„Die Leute hier sind so unglaublich hilfsbereit, offen und freundlich. Ich habe mich sofort willkommen gefühlt.“

Tim Bantle kam 2011 zu Black Diamond, leitete zwei Jahre lang den Bereich Produkt, Sales und Marketing und ist seit Jänner 2016 Managing Director des Bergsportartikelherstellers in Europa. Schon immer prägte die Begeisterung für den Bergsport und die Natur sein Leben. In seinem Philosophiestudium an der St. Louis University setzte er den Schwerpunkt auf Naturphilosophie. Während und nach der Uni arbeitete er in einem Bergsportfachgeschäft, das sich „Alpine Shop“ nannte. Danach war er Programmdirektor der „Trails Wilderness School“, einem Anbieter für erlebnispädagogische Kurse in Jackson. Bevor er zu Black Diamond wechselte, war er sieben Jahre lang auf Führungsebene für den Sportbekleidungshersteller „Patagonia“ tätig.

Sarah und Tim Bantle mit ihren Söhnen auf dem Hans-Psenner-Steg in Innsbruck: Die Bantles mögen die Kombi aus Traditionellem und Modernem. Daher fühlen sie sich auch in ihrer neuen Wohnung in Innsbruck, die sich in einer alten Villa befindet, wohl.

Bekanntes in der Ferne
8.740 Kilometer liegen zwischen Salt Lake City und Innsbruck. Doch so fern fühlt sich Bantle seiner alten Heimat nicht. Er sieht einige Gemeinsamkeiten: „Beide Städte waren Austragungsorte von Olympischen Winterspielen, sind extrem sportlich und durch die Universitäten sehr international.“ Zudem erreiche man da und dort in weniger als einer Stunde Fahrtzeit mehrere Skigebiete und habe die Qual der Wahl in puncto Skitouren. Und während Salt Lake City als Tor zu Amerikas Westen diene, sei Innsbruck der ideale Ausgangspunkt für Wochenendtrips. In den USA waren die Bantles mindestens einmal im Monat campen. Diese Familientradition wollen sie auch in Tirol beibehalten und Italien, Deutschland, die Schweiz sowie den Osten Europas erkunden.

Im Unterschied zu ihrem „Pendant“ in den Rocky Mountains punktet die Alpenstadt bei Bantle außerdem mit ihrer sauerstoffreichen Luft. „Innsbruck liegt nicht einmal halb so hoch wie Salt Lake City. Für meinen Körper ist es daher jedes Mal eine Erholung, wenn ich in den Alpen Bergsteigen gehe.“ Schließlich schätzt Bantle auch den Tiroler Sommer, der, anders als im trockenheißen Salt Lake Valley, angenehm warm ist.

Neugierige Tiroler Nachbarn
Von seiner schönen Seite zeigte sich Innsbruck auch, als Stephan Hagenbusch im vergangenen Februar seine neue Heimatstadt besuchte. Hagenbusch, der aus Neustadt an der Weinstraße in Südwestdeutschland stammt, arbeitete bis zur Standortverlegung als Marketingleiter bei Black Diamond in Basel. Seit dem Umzug nach Innsbruck kümmert er sich zudem um den Bereich Sales. Der 37-Jährige erzählt: „Das Bild, das sich uns bei unserem Innsbruck-Besuch im Februar bot, war fast kitschig: der strahlend blaue Himmel, die verschneiten Berge.“ Gleichzeitig sei das Traumwetter sein Riesenglück gewesen. Denn seine Partnerin hatte bereits ihren langjährigen Job in Köln wegen des Umzuges nach Innsbruck gekündigt, ohne jemals zuvor in der Landeshauptstadt gewesen zu sein.

Stephan Hagenbusch selbst war hingegen bereits als Kind mit seinem Vater, einem Bayern, öfters zum Skifahren und Klettern in Tirol. Auch später kam er regelmäßig mit Freunden ins Kaisergebirge, Stubaital und Sellraintal, um seiner Leidenschaft in den Tiroler Bergen nachzugehen. Ein Zwischenstopp in Innsbruck gehörte sowohl mit seinem Vater als auch seinen Kumpels meistens dazu. „Als ich nach meinem Studium in Innsbruck unterwegs war, habe ich mich immer wieder gefragt, warum ich eigentlich nicht hier studiert habe“, sagt Hagenbusch. Als im Herbst 2015 feststand, dass sein Arbeitgeber umziehen und er mitgehen würde, machte sich der neue Marketing- und Salesleiter für Innsbruck als Standort stark.

Auch bei der Wohnungssuche hatte der Neuankömmling das Glück auf seiner Seite. „Ein Bekannter stellte mir ein leerstehendes Holzhäuschen in Axams mit Garten und Blick auf die Berge zur Verfügung“, erzählt Hagenbusch, „nicht zuletzt, weil wir einen Hund haben, ist die Lage cool.“ Auch die Bewohner des Dorfes nahe Innsbruck selbst machten einen ganz coolen Eindruck auf ihn, als er im März einzog. Beim Einrichten des Hauses seien immer wieder Nachbarn vorbeigekommen, um ihn willkommen zu heißen. „Bis Mittag war eine halbe Kiste Bier geleert, und die Regale lagen immer noch als Einzelteile am Boden“, sagt der Wahltiroler und lacht.

Weniger locker gestaltete sich naturgemäß die Ansiedlung des Unternehmens selbst. Die Entfernung zum ehemaligen Schweizer Hauptsitz beträgt zwar nur 289 Kilometer Luftlinie, doch rechtlich liegen Welten zwischen den beiden Ländern. „Der physische Umzug war kein Problem. Dafür brauchten wir nur ein paar Lkw und ein paar Leute“, erzählt Hagenbusch. „Die Herausforderung war, die Firma in Österreich rechtlich zu etablieren. Wir mussten Black Diamond in der Schweiz auflösen, um das Unternehmen dann in Tirol komplett neu aufzubauen. Das war ein zäher Prozess.“ Die Unterstützung durch die Standortagentur Tirol, die nicht nur die Suche nach neuen Räumlichkeiten betreute, sondern Mitarbeiter zum Beispiel auch in Sachen Wohn-, Arbeits- und Aufenthaltsrecht beriet, war in dieser Phase Goldes wert, so Hagenbusch. Das Bild, das sich uns bei unserem Innsbruck-Besuch im Februar bot, war fast kitschig: der strahlend blaue Himmel, die verschneiten Berge.

Stephan Hagenbusch ist seit drei Jahren Marketingleiter von Black Diamond Europe und seit dem Standortwechsel im Mai 2016 auch für den Bereich Sales verantwortlich. Auch er ist ein leidenschaftlicher Bergsportler. Statt einer wissenschaftlichen Karriere hat er sich deshalb nach seinem Geschichte-und Germanistikstudium in Marburg für eine Karriere im Bergsportbereich entschieden. Er war für verschiedene Outdoor-Firmen tätig, unter anderem als Marketingleiter für den Sportartikelhersteller Salomon.

Durch den Berg verbunden
Die bisherige Firmenkultur bei Black Diamond will man auch in den neuen Büros im Gewerbegebiet Mühlau-Arzl in Innsbruck weiter pflegen. Dazu gehören etwa das gemeinsame Bouldern oder Laufen in der Mittagspause und am Feierabend oder die Bergtouren am Wochenende. „Wir waren bei Black Diamond immer ein sehr eingeschworener Haufen“, erzählt Hagenbusch, „das wollen wir auch in Innsbruck sein.“

In der Schweiz bestand das Team größtenteils aus Leistungs- oder zumindest leidenschaftlichen Bergsportlern. Doch aus dem alten Team sind nur noch vier Leute mit nach Innsbruck gekommen. Im Frühjahr wurden daher 36 neue Mitarbeiter rekrutiert. Darunter sind Österreicher, Deutsche und Italiener. Die Faszination für den Bergsport ist fast allen gemein. Nun müsste man noch Möglichkeiten finden, den „Neuen“ nahezulegen, dass Black Diamond mehr als nur ein Arbeitgeber sei. Hagenbusch: „Auch wenn es klischeehaft klingen mag, aber die Mitarbeiter bei Black Diamond konnten sich immer mit der Marke identifizieren und wollten sie vorantreiben, so als ob es etwas Persönliches sei.“ Die Boulderwand aus Basel sei deshalb auch zur Stärkung des Teamgeistes schon in Innsbruck aufgestellt worden.

Neues in alten Mauern
Am Firmensitz in Tirol gilt: Man spricht vor allem Deutsch. Tim Bantle wird das keine Probleme bereiten, versichert Marketing- und Salesleiter Hagenbusch: „Er ist ein echtes Sprachtalent. Er wird schon bald im Tiroler Dialekt Präsentationen zeigen.“

Der Firmenchef spricht fließend Spanisch und Chinesisch, Deutsch zu lernen hat er sich fest vorgenommen. Und das nicht nur, weil Black Diamond großes Potenzial im deutschsprachigen Markt sieht. „Ist die sprachliche Barriere einmal überwunden, fällt auch die Integration leichter“, sagt Bantle. Bisher konnte er sich darauf verlassen, dass hierzulande „so gut wie alle perfekt Englisch sprechen“. Doch nicht nur die Sprachkenntnisse der Tiroler erleichterten Bantle den Umzug, sondern auch ihre Art. „Die Leute hier sind so unglaublich hilfsbereit, offen und freundlich. Ich habe mich sofort willkommen gefühlt.“ Der Umzug der vierköpfigen Familie aus Amerika gestaltete sich recht unspektakulär: Mit nur zwölf Koffern – drei Stück pro Kopf plus Handgepäck – flogen sie im April nach Innsbruck. „Wir brauchen nicht viel zum Leben“, sagt Bantle, „und das Wichtigste bekommen wir auch in Tirol.“ Getrennt haben sich die Bantles etwa von ihrem kompletten Bergequipment. Lange werden sie jedoch nicht ohne bleiben, schließlich zählt Black Diamond zu den führenden Herstellern für Bergsport-, Kletter- und Skiausrüstung.

Mit seiner Familie schlägt Bantle nun morgens in einer neu renovierten Wohnung in einer vierstöckigen Villa die Augen auf. Mit 150 Quadratmetern sei das neue Zuhause für amerikanische Verhältnisse zwar bescheiden, für die Bantles jedoch ideal.

Black Diamond

Der Bergspezialist aus Salt Lake City
– Europäischer Hauptsitz seit Mai 2016: Hans-Maier-Straße in Mühlau-Arzl in Innsbruck
– Mitarbeiter in Innsbruck: ca. 40
– Globaler Hauptsitz: Salt Lake City im US-Bundestaat Utah
– Mitarbeiteranzahl weltweit: ca. 300 
– Gründungsjahr: 1989
– Produkte: Bergsport-, Kletter- und Skiausrüstung;
– Ausgezeichnete Produkte: „JetForce“-Technologie für Lawinenrucksäcke, Klemmgeräte „Camalot“

Verbindung zu Österreich
Seit fünf Jahren zählt die steirische Firma PIEPS aus Lebring bei Graz zur Black Diamond Inc. Die Firma Blizzard in Mittersill in Salzburg produziert seit letztem Winter Tourenski für Black Diamond. Der Tiroler Steilwandskifahrer Thomas Gaisbacher sowie die Vorarlberger Kletterin Barbara Zangerl werden von dem Bergsportartikelhersteller gesponsert.